Was ist der Unterschied
zwischen Usability Engineering und Usability Testing?

Usability Engineering ist eine Vorgehensweise, die Schnittstelle zwischen Benutzer und Gerät oder Programm optimal zu gestalten. Es ist ein nützlicher und systematischer Weg, ein Produkt zu liefern, das den Nutzern dient. Usability Engineering umfasst verschiedene Methoden, die jeweils zur passenden Gelegenheit im Projekt angewandt werden - darunter die Aufnahme von Anforderungen, die Entwicklung und das Testen von Prototypen, die Evaluierung von Designalternativen, die Analyse von Usability-Problemen, das Vorschlagen von Lösungen sowie das Testen der Benutzeroberflächen mit Anwendern.

Usability Testing ist Teil des Usability Engineerings-Prozesses. Es umfasst eine Reihe von Methoden, mit denen Anwender eine Software oder eine Website ausprobieren. In einem typischen Usability Test führen die Anwender etliche Aufgaben an einem Prototypen aus, während Beobachter alles registrieren, was jeder Anwender macht und sagt. Typische Tests werden mit einem oder zwei Nutzern gemacht, die zusammenarbeiten. Bei dieser Vorgehensweise können die Lösungswege, mit denen der Anwender zum Ziel kommt, seine Fehleingaben, an welchen Stellen er wann irritiert oder frustriert ist, wie schnell er ans Ziel kommt und wie zufrieden er mit der Aufgabenbewältung ist, protokolliert werden. Die meisten Usability Tests sollen dazu beitragen, die Probleme zu identifizieren, auf die ein Anwender stößt, um sie frühzeitig zu beheben.


Intuitive Bedienbarkeit

Bei Software wird oft davon gesprochen, sie sei intuitiv gut bedienbar. Diese Aussage geht davon aus, dass sich dem Bediener der Benutzeroberfläche die Schritte, die zu einem gewünschten Ziel führen sollen, leicht erschließen und nicht erst erlernt werden müssen. Die Intuition, die hierbei zum Zuge kommt, fußt freilich nicht auf Instinkten.


Eine Instinkt basierte Handlung ist z.B. die Nahrungsaufnahme. Bereits das Kleinkind weiß, dass die Nahrung mit dem Mund aufgenommen werden muss. Sie mit einem Löffel oder einer Gabel zum Munde zu führen, ist hingegen Produkt einer Reihe von Lernprozessen. Wenn wir einen viereckigen Löffel statt des gewohnten runden zum Auslöffeln einer Suppe erhalten, wissen wir trotz der ungewöhnlichen Form sofort, wozu das Ding gut ist und wie wir damit essen müssen - auch wenn beim ersten Mal ein paar Tropfen danebengehen.


Dass ein rechteckiger Löffel gegenüber einem runden mehr Nach- als Vorteile aufweist, leuchtet jedem ein. Was geschieht aber bei Software, die sehr verbreitet ist und deren Bedienphilosophie drastisch geändert wird? Viele werden sich noch daran erinnern, wie die Microsoft-Bürosoftware WORD zu Zeiten von DOS aussah und was der Einschnitt bedeutet hat, den die Einführung von WORD für Windows (Windows 3.11 oder erst recht Windows95) bedeutet hat. Die meisten Funktionalitäten waren geblieben, aber auf der neuen graphischen Benutzeroberfläche mussten sie neu geordnet und verteilt werden. Mit der Folge, dass die Nutzer de facto eine neue Software erlernen mussten.


Die Planung einer optimalen Benutzerschnittstelle muss die Benutzer bei ihren Ist-Bedienungsgewohnheiten abholen und diese allenfalls erweitern. Denn was gemeinhin als intuitive Benutzerführung bezeichnet wird, ist in Wahrheit ein gut gemachtes Anknüpfen an vorhandene Nutzergewohnheiten. So ist die durchgängige Philosophie der Windows-Oberflächen, darunter die einheitliche Gestaltung der Navigation, der Aufteilung von Funktionen in themengleiche Pulldown-Menüs, ein Fundament einer "intuitiven Benutzerführung": weil sie überall vorkommt. Die Entwickler haben sich an bestimmte Vorgaben von Microsoft gehalten. Bei Apple werden solche Vorgaben noch wesentlich strikter gehandhabt, damit der Nutzer möglichst wenig mit der technischen Seite der Software zu tun hat.


Bemühungen um die "intuitive" Bedienbarkeit von Software hat letztlich zum Ziel, alles vor dem Nutzer zu verstecken, was nicht direkt mit der Software zu tun hat. Software, die ausschließlich von Experten oder Sachbearbeitern verwendet wird, bedarf solcher Gestaltungsüberlegungen nicht. Hier kommt es darauf an, sich wiederholende funktionelle Abläufe so zu gestalten, dass sie zeitoptimiert durchgeführt werden können, ohne dass die Qualität der Arbeit vermindert wird.

Aufsätze zur Sprache
In einer Fachzeitschrift für gesundes Katzenfutter las ich neulich eine Glosse, die die laxe Einstellung eines Teils der schreibenden Zunft zur Rechtschreibreform widerspiegelt:

"Warum ist die Rechtschreibung reformiert worden? -
Um die Zahl der studierfähigen Abgänger der allgemeinbildenden Schulen erhöhen zu können. Die Rechtschreibreform hat einen Teil der Rechtschreibfehler, die Schüler vorher gemacht haben, zur schriftsprachlichen Norm erhoben und damit wegrationalisiert. Jetzt kann jeder, der weiß, wie man einen Kugelschreiber festhält, das Abitur machen und hinterher Journalist werden. Vorsorglich haben die Zeitungen und Zeitschriften schon mal die RSR bei sich eingeführt. Für hartnäckige Fälle gibt es Jobs in der Politik, zum Beispiel im Kultusministerium, oder beim Institut für Deutsche Sprache oder beim Privatfernsehen."

Die Rechtschreibreform wurde und wird leider von fast allen Schriftstellern und der überwiegenden Mehrheit der Sprachwissenschaftler abgelehnt. Nach neusten Umfragen sollen nur 8% der Befragten sich positiv zur Rechtschreibreform geäußert haben, die meisten Bundesbürger verwenden die alte Rechtschreibung - oder keine.

Siehe auch "Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert".

Die damalige Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Johanna Wanka, sagte 2005 dem Spiegel: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“ (Wikipedia, Johanna Wanka)

Dem ist nichts hinzuzufügen. Inzwischen wacht die Deutsche Presseagentur über eine einheitliche Schreibweise in Deutschland, in der Schweiz ist die Schweizer Orthographische Konferenz zuständig, an der auch Sprachwissenschaftler beteiligt sind.