Konsonantenverdoppelungen

Die Schreiber des 16. und 17. Jahrhunderts haben in ihrem Hang zu einem manieristischen Sprachgebrauch (siehe vor allem Barockliteratur) gern übertrieben:

DV sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.

Was diser heute baut / reist jener morgen ein:

Wo itzund Städte stehn / wird eine Wisen seyn /

Auff der ein Schäfers-Kind wird spilen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden

Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
(Andreas Gryphius, aus "Es ist alles Eitel", aus Projekt Gutenberg.de)


Wie man dem Gedichttext unschwer entnehmen kann, hat der Autor zu seiner Zeit einige Laute und Wörter anders geschrieben als heute:
  • sihst - Als Dehnungszeichen genügte das h, während heute ein zusätzliches e dem i folgt als ein weiteres, redundantes Dehnungszeichen.
  • itzund bedeutet "jetzt".
  • auff "auf", zutretten "zertreten"
Dennoch ist festzuhalten: Im Deutschen gibt es keine Unterscheidung zwischen kurz und lang (d.h. zeitverzögert gelösten) gesprochenen Konsonanten wie etwa im Italienischen, wo sich (Nahezu-) Minimalpaare wie cade "er fällt" vs. cadde "er fiel", vizi "Laster (pl.)" vs. vizzi "welk (m.pl.)", a picco "senkrecht" vs. appicco "ich hänge auf" finden.

Gryphius hat im übrigen, wie auch seine Nachfolger bis weit ins 19. Jahrhundert, die Aspiration des anlautenden t ausgeschrieben: Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn. Jedoch folgt in Traum dem t kein Aspirationszeichen, weil ihm kein Vokal folgt.


Vokale im Deutschen

Eine grundlegende Schwäche der deutschen Rechtschreibung ist, daß sie nie Vokallängen am Vokal selbst gekennzeichnet hat. Auch der Gebrauch von Diakritika wie Macron (Querstrich über dem Vokal wie im Latein, wenn auch nur für didaktische Zwecke) oder Zirkumflex für das Mittelhochdeutsche (wârheit "Wahrheit") kam erst im 19. Jh. in der Philologie auf.

Orthographien verschiedener Sprachen verwenden unterschiedliche Mittel, um Vokalquantität abzubilden: Macron und Zirkumflex wie gerade erwähnt, Akut wie im Ungarischen (hajó "Schiff", méj "Biene"), Doppelschreibung wie im Finnischen (maa "Land, Erde", tuuli "Wind"). Zu beachten ist, daß nicht alle langen Vokale in phonetischer Opposition zu den kurzen stehen, auch wenn die Grapheme gleich sind.

Es gehört zu den verbreiteten Irrümern unter den Deutschen, daß im Deutschen Wörter unterschiedlicher Vokalquantität phonologische Oppositionen bilden. Im Minimalpaar bieten [biːtən] vs. bitten [bɪtən] treten neben Vokalquantität auch die Vokalqualität (Position im Mundraum) und Kehlkopfspannung (fortis vs. lenis) zur Differenzmaximierung auf.


Wortbedeutung

Ein Wort besteht zunächst aus nichts anderem als aus einer Abfolge von Lauten, die in der Schriftsprache mit bestimmten Zeichen bzw. Buchstaben des lateinischen Alphabets abgebildet werden. Die Abbildung in die Schrift geschieht in natürlichen Sprachen nicht 1 : 1. Die Wiedergabe eines Lauts oder einer Lautfolge kann durchaus in ein und derselben Sprache unterschiedlich erfolgen. Wie das Beispiel Echse - Hexe - Kleckse deutlich macht, kann die Lautfolge [ks] auf dreierlei Weise verschriftet werden. Auch das halboffene e, vorne im Mundraum gesprochen [ɛ], wird im Deutschen als e oder ä geschrieben. Letzteres allerdings nur, wenn auf eine etymologische Stammform bezug genommen werden soll, etwa wie in schlägtschlagen. Anmerkung: Im niederdeutschen Sprachraum ist es üblich, das lange /ä/ wie in Bären als [eː] auszusprechen; es hört sich also genauso an wie Beeren.

Dem Wortkörper ist eine Vorstellung bzw. eine Bedeutung zugeordnet, die durch Konvention entstanden ist; diese Zuordnung ändert sich, weil dem Wortkörper eine andere oder eine neue Bedeutung zugewiesen wird. Beispiel: althochdeutsch gaila "üppig, strotzend, kraftvoll, lustig" wird zu geil, zunächst auf die Bedeutung "geschlechtlich erregt" verengt, dann wiederum zu "vorzüglich, hervorragend" erweitert.

im was ein ander (zweites, neues) leben gegeben ..

er was dô geil unde frô.

Tristan 8319 (Grimmsches Wörterbuch)


Auch die Schreibung eines Wortkörpers entwickelt sich in der Geschichte. Als die Deutschen noch keinen Duden kannten, gab es kein Regularium für die Schreibweise der Wörter, wie ein Blick in den Urfaust zeigt:

Hab nun, ach! die Philosophey,

Medizin und Juristerey

Und leider auch die Theologie

Durchaus studirt mit heisser Müh.

Da steh ich nun, ich armer Thor,

Und binn so klug als wie zuvor.


© 1999 - 2011 by Anna Boedeker